Die Biennale Venedig 2026 Highlights, die du gesehen haben solltest
Ich kann kaum glauben, dass dies tatsächlich mein erster Besuch auf der Biennale von Venedig war. Und was für ein Jahr, um damit anzufangen.
Die Biennale Venedig 2026 gehört zu den stärksten Ausgaben der letzten Jahre. Allein das historische Gelände mit den Giardini und dem Arsenale ist einen Besuch wert. Gleichzeitig ist die Biennale riesig. Sehr riesig. Wer versucht, alles an einem Tag anzuschauen, wird am Ende vermutlich mehr Schritte sammeln als Kunst erleben.
Deshalb findest du hier meine persönlichen Biennale Venedig 2026 Highlights – jene Länderpavillons und Ausstellungen, die mich besonders beschäftigt, überrascht oder inspiriert haben.

Was ist die Biennale Venedig überhaupt?
Die Biennale di Venezia zählt zu den wichtigsten Kunstausstellungen der Welt und findet alle zwei Jahre statt. Für die 61. Ausgabe versammeln sich erneut Dutzende Länder mit eigenen Pavillons und ortsspezifischen Projekten.
Die Hauptausstellung trägt den Titel In Minor Keys und basiert auf dem Konzept der verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh. Über 110 internationale Künstler:innen setzen sich mit gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Fragen der Gegenwart auseinander.
Gerade diese Mischung aus globalen Perspektiven macht die Biennale für mich so spannend. Man besucht nicht einfach eine Ausstellung, sondern erhält Einblicke in unterschiedlichste Arten, auf unsere Gegenwart zu reagieren.
Etwas über die Gegenwart sagen
Österreich – Florentina Holzinger
Falls du nur einen Pavillon priorisieren möchtest, dann würde ich früh am Morgen direkt zum österreichischen Pavillon gehen.
Die Warteschlangen waren während meines Besuchs enorm.
Florentina Holzingers Installation Seaworld Venice gehört zweifellos zu den meistdiskutierten Arbeiten der Biennale. Wasser wird hier gleichzeitig als lebensnotwendige Ressource, als Symbol und als politisches Thema behandelt.
Besonders eindrücklich fand ich, wie das Publikum selbst Teil der Arbeit wird. Besucher:innen liefern buchstäblich die Flüssigkeiten, welche die Installation am Laufen halten. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen Körper, Umwelt und Verantwortung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit Überbevölkerung, Ressourcenknappheit und Klimawandel. Gerade in Venedig, einer Stadt, die selbst ständig gegen das Wasser kämpft, entfaltet diese Thematik eine besondere Kraft.
Provokant, absurd und manchmal auch ziemlich ekelhaft.
Für Fans von Ikkimel: absolute Kunst-Cuntness.
Japan – Ei Arakawa-Nash
Der japanische Pavillon war für mich eine der überraschendsten Ausstellungen der Biennale.
Im Zentrum stehen über zweihundert Babypuppen. Ausgangspunkt für die Arbeit ist die Erfahrung des Künstlers Ei Arakawa-Nash, der 2024 Vater von Zwillingen wurde.
Die Installation beschäftigt sich mit Geburt, Fürsorge und Zukunft. Gleichzeitig stellt sie unbequeme Fragen: Was bedeutet es, Kinder in einer Welt voller Kriege, Krisen und Zukunftsängste grosszuziehen? Was bedeutet der globale Geburtenrückgang?
Besonders gelungen fand ich, wie die Besucher:innen in diese Fragestellungen eingebunden werden.
Ein stillerer Pavillon als Österreich, aber einer, der lange nachwirkt.
Mit der Vergangenheit abrechnen
Deutschland – Ruin
Der deutsche Pavillon beeindruckte mich bereits beim Betreten.
Das intensive Grün, die monumentalen Dimensionen und die Nutzung des Raumes waren schlicht hypnotisierend.
Unter dem Titel Ruin setzen sich Henrike Naumann und Sung Tieu mit der DDR, der Wiedervereinigung und den Brüchen der deutschen Geschichte auseinander.
Besonders spannend fand ich, wie die Künstlerinnen nicht nur historische Ereignisse betrachten, sondern zeigen, wie deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.
Die Ausstellung bewegt sich zwischen minimalistischer Klarheit und opulenter Überforderung.
Ein Pavillon über Erinnerung, gesellschaftliche Umbrüche und die Frage, was nach dem Zusammenbruch von Systemen übrig bleibt.
Schweiz – The Unfinished Business of Living Together
Der Schweizer Pavillon war für mich einer der angenehmsten Orte der gesamten Biennale.
Nicht nur wegen der Klimaanlage.
Die Ausstellung basiert auf Archivmaterial einer Schweizer Fernsehsendung aus den 1970er-Jahren, in der kontrovers über Homosexualität diskutiert wurde.
Ausgehend davon untersucht das Projekt Fragen von Zugehörigkeit, Toleranz und gesellschaftlichem Zusammenleben.
Besonders beeindruckt hat mich die filmische Umsetzung und die Art, wie der Film im Multiscreen-Format inszeniert wurde. Der Pavillon lädt dazu ein, sich hinzusetzen, durchzuatmen und den teilweise absurden Szenen zu folgen.
Nach einigen Stunden Biennale war dies genau die Art von Ausstellung, die ich gebraucht habe.
Die koloniale Vergangenheit neu betrachten
Brasilien – Ayrson Heráclito
Der brasilianische Pavillon gehörte zu den poetischsten Ausstellungen meines Besuchs.
Die Arbeiten von Ayrson Heráclito beziehen sich auf westafrikanische Kosmologien und die afrobrasilianische Religion Candomblé.
Die Ausstellung wirkt sehr erdig, spirituell und gleichzeitig überraschend zeitgenössisch.
Besonders die Zeichnungen und Skulpturen entfalten ihre Wirkung nicht durch Spektakel, sondern durch Präsenz.
Es ist eine Arbeit über Erinnerung, kulturelles Erbe und die Spuren kolonialer Gewalt, die bis heute nachwirken.
Grossbritannien – Lubaina Himid
Der britische Pavillon war visuell einer der stärksten.
Bereits beim Betreten fallen die intensiven Farben und Muster der Gemälde sofort ins Auge.
Lubaina Himid beschäftigt sich mit Fragen von Migration, Zugehörigkeit, Identität und kolonialer Geschichte. Ihre monumentalen Gemälde erzählen Geschichten darüber, was es bedeutet, Räume zu betreten, die ursprünglich nicht für einen geschaffen wurden.
Die Arbeiten sind schön anzusehen, gleichzeitig aber politisch und unbequem.
Ein Pavillon, der mich zum Nachdenken gebracht hat und lange in Erinnerung bleiben wird.
Weitere persönliche Highlights
Argentinien
Einer meiner Lieblingsmomente im Arsenale.
Die sandige Installation wirkte fast meditativ. Ich verbrachte deutlich mehr Zeit dort als ursprünglich geplant und verlor mich in den verschiedenen Symbolen und Spuren, die sich durch die Landschaft zogen.
Diese Installation lud zum Verweilen ein.
Slowenien
Ein kleinerer Pavillon, der mich mit seiner Farbgestaltung sofort abgeholt hat.
Die Muster, die Komposition und die erhöhte Präsentation der Arbeiten verliehen der Ausstellung etwas Feierliches.
Ein gutes Beispiel dafür, dass kleinere Beiträge nicht weniger eindrücklich sein müssen.
Spanien
Beim spanischen Beitrag hätte ich vermutlich Stunden verbringen können.
Die Installation bestand aus einer riesigen Sammlung von Postkarten, die sorgfältig archiviert, geordnet und präsentiert wurden.
Mich faszinierte vor allem die Vorstellung, wie viel Zeit, Geduld und Recherche hinter einem solchen Projekt stecken müssen.
Vielleicht keine Ausstellung, die laut um Aufmerksamkeit schreit.
Aber genau deshalb blieb sie mir so stark in Erinnerung.
Fazit: Lohnt sich die Biennale Venedig 2026?
Definitiv.
Die Biennale Venedig 2026 schafft etwas, das nur wenige Ausstellungen schaffen: Sie zeigt nicht nur Kunst, sondern unterschiedliche Arten, unsere Gegenwart zu verstehen.
Von Florentina Holzingers provokanter Wasserinstallation über die poetischen Arbeiten Brasiliens bis hin zu den gesellschaftlichen Fragen in den Pavillons der Schweiz oder Japans – die Bandbreite ist enorm.
Suche dir einige Pavillons aus, nimm dir Zeit und lass Raum für Überraschungen. Die besten Biennale-Momente entstehen oft unerwartet.
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