Maria Grazia Chiuri bei Fendi verdient mehr Respekt
Maria Grazia Chiuri hat ihr Debüt bei Fendi hinter sich. Ihre erste Couture-Kollektion für das Haus wurde vor Kurzem präsentiert. Und wie sollte es anders sein? Die Reaktionen fallen überwiegend negativ aus.
Im Netz überschlägt sich die Modekritik mal wieder mit den immer gleichen Vorwürfen. Die Kollektion sei schlecht, langweilig und viel zu schlicht für eine Couture-Show. Manche behaupten sogar, sie hätte nie verpflichtet werden dürfen.
Ich bin es müde, dieses Narrativ zu lesen. Nicht, weil jede Kritik unbegründet wäre. Sondern weil sich die Diskussion um Maria Grazia Chiuri seit Jahren kaum verändert. Unabhängig davon, was sie tatsächlich entwirft, scheint das Urteil längst festzustehen.
Ich glaube nämlich, dass viele übersehen, worin ihre eigentliche Aufgabe bei Fendi besteht.
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Maria Grazia Chiuri ist keine Entertainerin
Maria Grazia Chiuri hat selbst einmal gesagt, dass sie keine Entertainerin sei. Sie entwerfe Kleidung. Dieser Satz beschreibt ihre Arbeit erstaunlich gut.
Während andere Designer versuchen, mit jeder Saison das Internet zu sprengen, verfolgt Chiuri einen anderen Ansatz. Sie interessiert sich für Silhouetten, Tragbarkeit und dafür, Kleidung zu entwerfen, die Menschen tatsächlich über viele Jahre tragen können.
Auch ihre erste Couture-Kollektion für Fendi folgt genau diesem Gedanken.
Im Mittelpunkt stehen fließende Silhouetten, geometrische Drucke, skulpturale Mäntel und Tuniken, die Freiheit statt Inszenierung vermitteln. Kleidung, die sich bewegt, anstatt den Körper einzusperren.
Natürlich wirkt das ruhiger als viele andere Couture-Shows derselben Saison. Aber genau das scheint Absicht zu sein.
Der eigentliche Auftrag bei Fendi
Viele beurteilen Chiuri so, als müsste sie Fendi völlig neu erfinden. Wenn ich an Fendi denke, denke ich zuerst an Handtaschen, dann an Pelze. Nicht an spektakuläre Laufstegmomente.
Der wirtschaftliche Erfolg von Fendi lebt seit Jahrzehnten vor allem von Accessoires. Handtaschen, Schuhe und Lederwaren bilden das Fundament nahezu jedes großen Luxushauses.
Darauf scheint Chiuri ihren Fokus zu legen. Sie entwirft Kleidung und vor allem Accessoires, die sich verkaufen. Hier excelliert Chiuri.
Selbst während ihrer viel diskutierten Zeit bei Dior war das offensichtlich. Allein mit Produkten wie der Dior Book Tote oder den Dior-Logo-Sneakern dürfte sie die Verantwortlichen bei Dior und LVMH sehr glücklich gemacht haben. Ob dir oder mir ihre Runway-Looks gefallen, ist letztlich zweitrangig.
Muss sie Mode neu erfinden?
Ja, Maria Grazia Chiuri ist keine kreative Revolutionärin. Sie treibt die Mode nicht auf dieselbe Weise voran wie Phoebe Philo, Miuccia Prada, Alessandro Michele oder Demna. Das gestehe ich gerne zu.
Aber ihre Kleidung ist hochwertig, tragbar und luxuriös. Dies sind die Erwartungen eines Modehauses dieser Größenordnung. Sie verkauft und das ist nun einmal ein wesentlicher Teil ihres Jobs.
Sieht ihre Arbeit bei Fendi stellenweise nach Dior aus? Ja.
Aber erinnert uns Demnas Gucci nicht ebenfalls stark an seine Zeit bei Balenciaga? Erinnert Pierpaolo Picciolis Arbeit dort nicht an seine Designs bei Valentino?
Chiuri besitzt eine eigene, wiedererkennbare Designsprache. Genau wie viele ihrer männlichen Kollegen. Warum wird ausgerechnet sie dafür so häufig kritisiert?
Schwarz ist kein kreativer Bankrott
Auch in ihrer Haute-Couture-Kollektion Herbst/Winter 2026/27 dominiert Schwarz, etwa bei mehreren One-Piece-Looks. Dafür wird sie regelmäßig kritisiert.
Dabei reicht ein Blick auf die Straßen europäischer Großstädte. Schwarz prägt die aktuelle Mode. Nicht nur auf den Laufstegen, sondern auch im Alltag. Menschen tragen Schwarz. Und wieder gilt: Schwarz verkauft sich.
Ausgerechnet ihr daraus einen Vorwurf zu machen, wirkt auf mich konstruiert. Vor allem dann, wenn andere Designer ebenfalls Trends aufgreifen.
Vielleicht ist genau das ihre Stärke
Ich verstehe, warum Modekritik provokant sein möchte. Hot Takes erzeugen Aufmerksamkeit und bringen Klicks. Doch irgendwann wird jede Kritik zur Routine.
Ich glaube, Maria Grazia Chiuris Fendi verdient inzwischen deutlich mehr Anerkennung. Nicht, weil jede ihrer Kollektionen perfekt wären.
Vielleicht verändert sie die Modegeschichte nicht grundlegend. Aber sie versteht etwas, das ebenso wichtig ist: Sie entwirft Kleidung, die tatsächlich getragen wird.
Und vielleicht ist genau das die schwierigste Aufgabe überhaupt.
Wie stehst du zu Maria Grazia Chiuris Fendi Fall/Winter 2026/27 Haute-Couture-Show? Wurde sie zu Recht kritisiert oder ist die Kritik inzwischen einfach zur Gewohnheit geworden? Schreib es mir gerne in die Kommentare.
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