Berudite

Diese queeren Romane haben mich am meisten bewegt

Natürlich können und sollten queere Bücher das ganze Jahr über gelesen werden. Trotzdem liebe ich thematische Lesemonate. Und welcher Zeitpunkt eignet sich besser für queere Literatur als der Pride Month?

Queere Geschichten helfen uns, unterschiedliche Lebensrealitäten kennenzulernen. Sie zeigen, dass queere Menschen schon immer existiert haben und immer existieren werden. Unabhängig davon, welche politischen Debatten oder gesellschaftlichen Rückschritte gerade stattfinden.

Literatur schafft Empathie. Sie erlaubt uns, für einige Stunden in das Leben anderer Menschen einzutauchen und die Welt durch ihre Augen zu sehen.

Wenn du also im Juni oder auch zu jeder anderen Jahreszeit starke queere Romane suchst, findest du hier einige meiner persönlichen Favoriten aus der letzten Zeit.

Queere Romane die mich bewegt haben

Hundesohn – Ozan Zakariya Keskinkılıç

Einer der eindrücklichsten queeren Romane, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Im Zentrum steht Zeko, ein schwuler Mann mit türkischen Wurzeln, der in Berlin lebt. Während er sich durch Dating-Apps wie Grindr swipt und flüchtige Begegnungen erlebt, kreisen seine Gedanken immer wieder um Hassan, seine Jugendliebe aus Adana, die er bald wiedersehen wird.

Zwischen Dating-App-Profilen, expliziten sexuellen Begegnungen und Erinnerungen an Familie und Herkunft entsteht ein Roman über Sehnsucht, Einsamkeit und Begehren.

Besonders beeindruckt hat mich die Sprache. Keskinkılıç schreibt poetisch und sentimental, ohne jemals kitschig zu werden. Die fragmentarische Erzählweise liest sich stellenweise wie ein langes Gedicht.

Eine moderne Liebesgeschichte, die mich noch lange nach der letzten Seite beschäftigt hat. Meine ausführliche Rezension zu Hundesohn findest du hier auf dem Blog.

Giovannis Zimmer – James Baldwin

Mittlerweile ein queerer Klassiker und eines meiner Lieblingsbücher überhaupt.

Der Roman folgt David, einem jungen Amerikaner in Paris, der sich in Giovanni verliebt und gleichzeitig mit seiner eigenen Sexualität kämpft.

Obwohl das Buch bereits in den 1950er-Jahren erschienen ist, wirken die Themen erstaunlich modern. Baldwin schreibt über Begehren, Scham, gesellschaftliche Erwartungen und die Angst, sich selbst ehrlich zu begegnen.

Seine Sprache ist präzise, elegant und voller emotionaler Spannung.

Wenn man nur einen queeren Klassiker lesen möchte, wäre dies vermutlich meine erste Empfehlung.

Ein anderes Land – James Baldwin

Während Giovannis Zimmer vor allem queeres Begehren in den Mittelpunkt stellt, ist Ein anderes Land deutlich breiter angelegt.

Der Roman spielt im New York der 1950er-Jahre und begleitet eine grössere Gruppe von Charakteren. Es geht um Freundschaft, Beziehungen, Sexualität, Untreue und vor allem um Race und Zugehörigkeit.

Baldwin schreibt hier mit einer beeindruckenden Menschenkenntnis. Die Figuren wirken komplex, widersprüchlich und unglaublich lebendig.

Queerness ist zwar präsent, steht aber nicht allein im Zentrum. Vielmehr untersucht Baldwin, wie Menschen miteinander leben, lieben und scheitern.

Ein großartiges Buch.

Aufzeichnungen eines Krokodils – Qiu Miaojin

Eines der spannendsten queeren Bücher, die ich ausserhalb des westlichen Literaturkanons gelesen habe.

Der Roman begleitet eine junge Studentin im Taiwan der 1980er-Jahre und beschäftigt sich mit Identität, Einsamkeit und dem Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören.

Besonders beeindruckt haben mich die Gespräche, Gedanken und Beobachtungen der Erzählerin.

Gerade Menschen in ihren frühen Zwanzigern dürften vieles darin wiedererkennen.

Ein wunderschön geschriebenes Buch über Orientierungslosigkeit und Selbstfindung.

Die schlechte Gewohnheit – Alana S. Portero

Ein Roman, der mich gleichzeitig begeistert und gebrochen hat.

Die Geschichte begleitet eine trans Frau beim Aufwachsen in einem Arbeiterviertel Madrids während der 1980er- und 1990er-Jahre.

Neben Geschlechtsidentität behandelt der Roman auch Klassenzugehörigkeit, soziale Ungleichheit und traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit.

Besonders gelungen fand ich die gesellschaftlichen Beobachtungen. Vieles ist so authentisch erzählt, dass ich zeitweise vergessen habe, einen Roman und keine Memoiren zu lesen.

Und Margarita ist einfach eine Ikone.

Ein wunderschönes Buch darüber, warum Vorbilder und queere Elders so wichtig sind.

Call Me by Your Name – André Aciman

Wenn wir schon über queere Romane sprechen, darf dieses Buch natürlich nicht fehlen.

Der Roman erzählt die Geschichte des siebzehnjährigen Elio, der während eines Sommers an der italienischen Riviera Oliver kennenlernt. Oliver ist ein Gastwissenschaftler, der bei seiner Familie wohnt.

Was folgt, ist eine der intensivsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe.

Aciman schreibt über erste Liebe, Sehnsucht, Erinnerung und all die Dinge, die man oft erst versteht, wenn sie längst vorbei sind.

Wer von italienischen Sommern, melancholischer Atmosphäre und emotionalen Liebesgeschichten träumen möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Eine ausführliche Rezension findest du ebenfalls hier auf dem Blog.

Hör auf zu lügen – Philippe Besson

Ein leiser und autobiografisch geprägter Roman über eine queere Jugendliebe im Frankreich der 1980er-Jahre.

Philippe Besson erzählt die Geschichte einer ersten Liebe, die aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen niemals wirklich gelebt werden konnte.

Das Buch ist kurz, aber emotional enorm wirkungsvoll.

Wer Call Me by Your Name mochte, sollte auch hier einen Blick riskieren.

Hot Milk – Deborah Levy

Ein etwas anderer Vorschlag auf dieser Liste.

Hot Milk ist kein klassischer queerer Roman, enthält aber einen wunderbaren queeren Handlungsstrang.

Die Geschichte spielt in einer träumerischen mediterranen Kulisse und folgt Sofia, die versucht, sich von ihrer Mutter zu lösen und ihre eigene Identität zu finden.

Ich liebte den leicht surrealen Ton, den trockenen Humor und die sommerliche Atmosphäre.

Ein perfekter Beach Read für alle, die literarische Romane mögen, die gleichzeitig leicht und tiefgründig sein können. Es war eines meiner Lieblingsbücher des letzten Lesejahres.

Weitere queere Bücher, die sich lohnen

Falls du nach noch mehr bewegenden queeren Romanen suchst:

Warum queere Romane wichtig bleiben

Was ich an Literatur am meisten liebe, ist die Möglichkeit, für kurze Zeit andere Leben zu leben.

Gerade queere Romane schaffen Perspektiven, die in vielen Teilen der Gesellschaft noch immer unterrepräsentiert sind. Sie erzählen von Liebe, Verlust, Herkunft, Freundschaft und Zugehörigkeit. Letztlich also von Themen, die uns alle betreffen.

Deshalb lohnt es sich, auch Bücher ausserhalb der eigenen Lebensrealität zu lesen.

Diese queeren Romane haben mich am meisten bewegt

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